Auf Tuchfühlung.

von Dez 31, 2019

Rahatblog

…oder die Suche nach dem perfekten Stoff. Dem perfekten Stofflieferanten. Beides.

Allora, auf der Suche nach dem ultimativen Stoff-Stofflieferanten für unsere zwei Specials-in-progress.

Mit einem Mini-Qualitätsprüfer im Mini an Bord und mit einer zwei-Tages-Terminliste in der Tasche machen wir uns auf Richtung Süden. Im Gepäck Vorfreude auf das “jetzt-aber-endlich” (und ein bisschen auf den Veroneser Cappuccino), Aufregung ob der Seriosität unseres Vorhabens (eine Geschäftsreise!), einem Packen alternativer Adressen für spontane Türklopferei (mit Erfolg!), ausgestattet mit totalmegakonkreten Vorstellungen und präzisen Qualitätsanforderungen an unseren Traum vom Stoffmacher.

Wir wissen ganz genau was wir wollen!

Voller Optimismus also gehen wir ins erste Treffen und beschließen sogleich, Italienisch zu lernen. Im Stoffparadies angelangt, sehen wir unsere beinharte Kompromisslosigkeit dahinschmelzen, vom Farbreigen davongetragen und völlig berauscht von senf, terracotta und petrol in dick und dünn und zart und fein. Der Anblick der Stoffe, Farben und Kombinationen benebelt uns ein bisschen.

Es geht an die harten Fakten: Wir lernen, das, was wir so genau wissen zu wollen, kollidiert mit dem Machbaren. Oder hat es nur noch keiner so ausprobiert? Wir lernen, dass nicht jeder Stoff in jeder Stoffzusammensetzung in jeder Qualität in jeder Farbkombi machbar ist. Und wir wollen sie alle! Ein Muster soll auch noch rein? Ja, klar.

Nach der leichten Verzweiflung eine selbst verordnete Reflexion mit der Frage, worauf wir bereit sind zu verzichten bzw. was liegt uns mehr am Herzen. Qualität, Beschaffenheit, Farbe, Gefühl? Wo gehen Abstriche und wo herrscht absolute Kompromisslosigkeit? Die Sache wird nicht leichter. Wir lernen weiterhin, dass jeder potentielle Traumlieferant seine eigene Technik hat, seine eigene Philosophie, seine eigenen Quellen und Methoden bei der Herstellung. Was Weber 1 kann, kann Weber 2 mitnichten und Weber 3 kann keins von beidem, aber dafür haben seine Schafe Namen. Träum schön… Aber Weber 763 gibt sein Bestes, um unsere Wünsche zu erfüllen – wir sind begeistert von der Herzlichkeit und von der Professionalität, die er an den Tag legt. Und von seiner Geduld während wir eins ums andere Mal jeden Stoff zum 20. Mal befühlen.

Nun gut. Nach vielen Seufzern entscheiden wir uns unter den 1836 Blau-Tönen für den einen und fragen uns mit verliebtem Blick auf die Hochglanz-Farbpaletten, “wieso eigentlich nur eine Variante?”. Nach zig revidierten und finalen Entscheidungen: Farbton mit der gewünschten Qualität unvereinbar. Dann eben das andere Blau. Aber hey, was solls – dafür kennen wir vielleicht den Namen unseres Schafs! Heute gab‘s frisches Grün von der Wiese vor der Tür zum Mittag. Und wir besinnen uns. Wir trinken Veroneser Kaffee und werden wieder klar im Kopf. Wir sind gestrauchelt und wir wurden geblendet, aber nur ein kleines bisschen. Denn eigentlich wissen wir ja, was wir wirklich wollen. Nicht diesen irren Materialmix, der das Muster so gestochen scharf rüber bringt, sondern den natürlichsten Stoff auf Erden. Nicht die verführerische Farbpalette, sondern die kleine aber feine Farbauswahl, die dem nachhaltigen Herstellungsprozess keinen Abbruch tut. Auch nicht die günstigste Variante, sondern Dauerhaftigkeit und Langlebigkeit unserer Produkte.

Wir sind geflasht ob der herzlichen spontanen Einladung zur Stoffbesichtigung in einem kleinen Familienbetrieb, der alles machbar erscheinen lässt; ob der kleinstadtgroßen Weberei mit eigenem Straßennamen und uralter Geschichte, die mit eigener Eco-Linie begeistert. Und so fahren wir Heim, mit dem guten Gefühl, bei dem zu bleiben, was wir wollen. Irgendeiner wird es schon möglich machen.

To be continued.

 

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